Henryk Glicenstein (1870 – 1942)

Glickenstein

Lot 2234. Glicenstein, Henryk
(Turek/Polen 1870-1942 New York),
Selbstporträt. Schwarze und farbige Kreide auf Bütten. Sign., bezeichnet “autoritratto” und dat. Rom 1904. Ca. 49 x 43 cm.

Unter Glas gerahmt.

Lebensnahes, realistisches Selbstbildnis des großen polnischen Bildhauers aus dem Jahr 1904, als er in Rom mit der Arbeit an seiner Bronzeplastik “Bar Kochba” beschäftigt war. Die erste Hälfte des Jahres hatte Glicenstein in Paris verbracht, wo ihn vor allem die Bekanntschaft mit Rodin beeindruckte. Nach Rom kehrte er erst in der Mitte des Jahres zurück (vergleiche Charlotte Sholod, Life and Work of Enrico Glicenstein, Stockbridge 2014, S. 20 f.). Da das Selbstporträt den Künstler in einem dicken Mantel mit weitem Kragen zeigt, dürfte es wohl im Winter entstanden sein. Die offensichtlich an französischen Vorbildern orientierte Zeichnung ist im Werk des Bildhauers eine Besonderheit, sein hinterlassenes zeichnerisches Werk besteht im wesentlichen aus Skizzen und Vorstudien zu plastischen Arbeiten. Die dezente Farbigkeit der Kreide, die Unterlegung schwarzer Partien mit differenzierten Blau- und Grüntönen sowie die Art der Zeichnung erinnern an Arbeiten von Edgar Degas. Die Entstehung ist nach dem Frankreichaufenthalt anzunehmen, also am Ende des Jahres 1904. – Das Porträt im Viertelprofil wirkt vor allem durch den intensiven, den Betrachter fixierenden Blick der großen Augen, die einen milden, etwas weichen Ausdruck besitzen. Durch die in dezentem Rötel ausgeführte Hautfarbe erhält das Gesicht eine besonders lebensnahe, unmittelbare Erscheinung. – Das Selbstbildnis diente der polnischen Wochenzeitschrift “Tygodnik Illustrowany” als Vorlage für eine Illustration zu einem Artikel in der Ausgabe von 3. Dezember 1910. Dieser Artikel erschien anläßlich der Ernennung des Künstlers zum Professor für Skulptur an der Warschauer Kunstakademie. Angetreten hat Glicenstein diese Stelle allerdings nie, da er mit der Leitung der Akademie über die Rolle der Skulptur im Kontext von Architektur im Dissens stand. Hierzu liegt uns ein Schreiben der Kuratorin des Dreyfuss-Glicenstein-Estate, Charlotte Sholod, an den Einlieferer vor. – Auf Papier mit Wasserzeichen “P. M. FAB(RIANO)”.

Estimate 2,000 euro. Zisska & Lacher – Buch- und Kunstauktionshaus. 05/11/16

Glickenstein (2)

Tygodnik Ilustrowany, 1910